Wo ist der Vogt?

125! Leider ist es nicht das aktuelle Gewicht, sondern die Tage, seitdem ich hier was geschrieben habe, abgesehen von dem Shooting mit Daniel.

Wenn ich nach meiner Liste gehe an möglichen Blogbeiträgen, die ich noch auf Halde habe, könntet ihr hier täglich was zu lesen und sehen bekommen. Doch momentan bin ich damit beschäftigt, auf der Spur zu bleiben und die Doofen Gedanken im Kopf loszuwerden, denn eigentlich ist es hier auf der Erde doch ganz schön. Es ist ein sehr Harter Weg und die letzten beiden Jahre haben ganz viel Kraft gekostet. Ich habe zu viele geliebte Menschen verloren und noch komme ich darauf nicht ganz klar. Hat mich doch mehr runtergerissen, als ich es mir hätte vorstellen können.

Damit ihr aber mal wieder ein Lebenszeichen von mir habt, dachte ich mir, dass ich euch einfach mal auf den Stand der Dinge bringe. Ich bleibe so gut es geht meinem Motto treu:

„Aufgeben ist das Letzte, was man sich erlauben darf!“

Bevor ich „Günther“ durch eine Schlauchmagen-Operation am 8. Oktober 2014 bekommen habe, habe ich mich sehr damit befasst, was mit den Menschen geworden ist, die solch eine Operation haben machen lassen und die Tatsache, dass es nach einer solchen Operation Suchtverschiebungen gibt und eine vorhandene Suizidrate, habe ich gar nicht so ernst genommen, bzw. wahrgenommen. Aber ja, es gibt beides! Anfangs frisch nach der Operation denkt man an nichts anderes, als den geilen Erfolg den man hat. Die Operation ist quasi der beste Cheat im Leben, den man sich holen kann, wenn man morbide adipös ist, was ich mit 232 kg war. Mir war es damals scheiß egal, ob ich bei der Operation drauf gehe oder dann, wenn mein Körper dafür gesorgt hätte.

Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Herzogin-Elisabeth-Hospital (HEH) und Dr. Köhler gab es einen Neuanfang und es lief anfangs ohne großen Probleme.

Jetzt bin ich 850 Tage später an einem Punkt angekommen, wo ich sage, es war eine super Entscheidung, die Operation gemacht zu haben, doch auf viele Erfahrungen hätte ich gerne verzichtet in der Zeit danach. Aber daran wachsen wir Menschen ja, wie ich immer wieder höre.

Solch eine Operation verändert auch den Menschen und ich kann sagen: Ja, auch ich habe mich verändert in den letzten Monaten. Für die Einen zum Guten, für die Anderen wieder zum Schlechten, aber was solls. Allen kann man es sowieso nicht recht machen.

„Sei wer Du bist und sag, was Du fühlst. Denn die, die das stört, zählen nicht und die, die zählen, stört es nicht.“ – Theodor Seuss Geisel

Ich bin immer für andere da gewesen und habe mich sehr oft dabei vergessen. Habe mir viele Gedanken um viele Menschen gemacht, habe immer ein offenes Ohr und eine offene Meinung gehabt. Kam manchmal gut an, weil man sich nicht verstellt hat und dem anderen offen ins Gesicht reden konnte. Ich war für viele ein Arschengel und weiß, wie schwer es ist Arschengel zu akzeptieren.

„Was soll nun ein ‚Arschengel‘ sein? Hiermit bezeichne ich einen Menschen, der von unserem Verstand verurteilt wird – zum Beispiel als Idiot, Verrückter, Blödmann, Drecksack, Arschloch oder eben als Arsch – und mit Eigenschaftswörtern belegt wird wie beispielsweise unmöglich, unverschämt, schlimm, fürchterlich, schrecklich, egoistisch, rücksichtslos. Ich behaupte, dieser Mensch ist Ihnen in Wahrheit als Engel geschickt. Sie brauchen diese Menschen geradezu, um Ihren eigenen Frieden zu finden mit sich selbst.“ – Robert Betz in Frieden mit meinen „Arsch-Engeln“

Damit werde ich in Zukunft anders umgehen, weil ich mich irgendwann dadurch verlieren werde und das möchte ich nicht. Klar bleibe ich für jedes Gespräch offen, aber ich entscheide, wann und wie ich meine Zeit dafür nutze. Einer Erwartungshaltung, dass ich sofort reagiere, werde ich nicht mehr erfüllen.

Doch die Frage die sich stellt ist, wie geht es mit mir weiter?

Jede Woche geht es in meiner Therapie dem „Einhornzoo“ darum, das Geschehene zu verarbeiten, mit der Wandlung der Operation umzugehen und neue Kraft zu schöpfen. Lernen mit sich selber ins reine zukommen. Aufgegeben habe ich mich noch nicht, ich kämpfe jeden Tag weiter, auch wenn ich langsam müde bin und es oft Situationen gibt, wo ich keine Lust mehr habe.

Verstanden zu werden ist schwierig und es tut weh, wenn man nicht Verstanden wird. Ja, ich bin in vielen Dingen kompliziert, aber wer mich kennt weiß, dass ich liebenswert bin und ein toller Freund sein kann. Geben und Nehmen ist genau so wichtig, wie Leben und Leben lassen.

Ich habe früher immer Pläne gemacht. Ich will bis dann dieses und jenes erreicht haben. Wir schreiben 2017, ich habe mit aktion100 in meiner Ausbildung 2004 angefangen. 13 Jahre sind vergangen und wenn ich mir diese anschaue, kann ich sagen, dass das Leben nicht planbar ist.

Mein Hauptaugenmerkt liegt nun auf meiner Person und an den kleinen Schritten, die zu meinem großen Ziel führen. Glücklich und gesund sein.

Viele Arschengel reden auf mich ein und ja, mir ist bewusst, dass Sport helfen kann, den dunklen Hund loszuwerden, bzw. diesen einzudämmen. Oder ein einfach machen ja so einfach ist. Aber soweit bin ich einfach noch nicht. Ich bin fast 33 Jahre alt und weiß, dass jeder Tag, jede Woche, jeder Monat und jedes weitere Jahr, wo ich brauche um mit dem Gewicht runterzukommen, es schwerer macht. Aber ich bin dran!

Wollte ich einfach mal loswerden, bevor wieder Beschwerdemails kommen. Und ja, jede Hilfe ist willkommen.

Wünsche euch ein schönes Wochenende und wir hören uns! 🙂

Versprochen!

Gewichtsverlauf seit Operation bis Februar 2017

Jedes Hoch und Tief erzählt seine Geschichte. 🙁 Aber ich bin vollkommen zufrieden, dass es -60 kg sind.

Christian (34)

Geschrieben von | 2017-08-27T06:19:56+00:00 10. Februar 2017|Tags: , |

Über den Autor:

Mahlzeit, ich bin Christian, wurde im Orwell Jahr 1984 geboren und bin Initiator von aktion100, sowie das "Dokumentationsobjekt", um das es auf dieser Seite geht. Ich nehme euch mit auf meiner Reise vom 232 kg morbide adipösen Mann im Kampf um Normalgewicht. Mir ist ein offener und ehrlicher Umgang auf diesem Weg sehr wichtig und ich mag anderen eine Hilfe sein.

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