Die OP: Gedanken und so ein Zeugs … oder einfach „Hallo Günther!“

Die OP: Gedanken und so ein Zeugs … oder einfach „Hallo Günther!“

Von |2017-08-27T06:20:00+00:008. Oktober 2014|Kategorien: Neuigkeiten|Tags: , |5 Kommentare

Heute ist es also endlich soweit … mein lang ersehnter Tag ist gekommen. Ich werde operiert und bekomme meinen Schlauchmagen, ich werde ihn wohl liebevoll „Günther“ nennen.

Wer sich für Details interessiert, was ein Schlauchmagen ist oder wie dies operiert wird, findet auf der Seite des Adipositas Zentrum München eine gute Beschreibung, sowie eine Darstellung einer Operation.

Vorgeschichte

Es kommt mir überhaupt nicht real vor, dass es nun heute schon soweit sein soll und nur noch ein Notfall mich davon abhalten kann, dabei habe ich fast anderthalb Jahre auf diesen Moment hingearbeitet. Im letzten Jahr habe ich es noch geschafft, ohne eine Operation Gewicht zu verlieren. Ich bin auf Grund einer zu hohen Abnahme dann aus der multimodalen Therapie ausgeschieden und wollte es auf eigene Faust schaffen. Es lief gut mit der Ernährungsumstellung und dem Sport, doch nach einer kleinen Verletzung und dem fehlenden Sport gab es den Rückschritt in alte ungesunde Gewohnheiten. Das Gewicht ging auch schnell wieder nach oben, da einfach der Anfang nicht mehr gefunden wurde. Die Mengen konnten nicht groß genug sein und durch das schlechter werdende Wohlbefinden, war der Gedanke an Sport später auch nicht mehr vorhanden, da man sich bereits nach kleinen Bewegungen unwohl fühlte.

Shooting Bavarian Vogt

Shooting Bavarian Vogt

Um jetzt allen Leuten vorzugreifen, die mir eintrichtern wollen, iss doch einfach weniger, bewege Dich mehr, probier die Ernährung, mach dies und das, immer diese Ausreden, etc. Glaubt mir, ich habe es versucht! Mein ganzes Leben lang mit jeder möglichen Ernährungsform, Beratung und allen Mitteln und Wegen. Respektiert meine Entscheidung und versucht mich nicht wie so oft zu verurteilen für meine Vergangenheit. Ich habe meine Fehler verstanden und möchte diesen Krieg gegen das Gewicht unbedingt gewinnen, für mich ist dies meine letzte Chance in ein „normaleres“ Leben zu kommen.

Ich hatte auf meinem Weg zum heutigen großen Tag viele Wegbegleiter, die mich sowohl motiviert als auch demotiviert haben oder mit Rat und Tat zur Seite standen. Einige sind noch immer vorhanden, die kennen aktion100 schon von Beginn an, wo ich noch auf LowCarb Treffen irgendwo in NRW saß und der junge Auszubildende war. Es gab nächtliche Telefonate, während man in der Firma saß und das zu Zeiten ohne Flatrates, der Chef sah es lockerer als die Buchhaltung und es ist schön, dass sich steinige Wege gemeinsam gehen lassen. Es wurden Freundschaften geschlossen und man bekommt von vielen ehrliches Feedback. Von anderen trennte man sich, weil man sich entweder aus dem Auge verlor oder es der falsche Kontakt zur falschen Zeit war. Leidgenossen auf dem Weg zum Schlauchmagen lernte ich auch schnell kennen, so kam ein erster Kontakt durch MC Winkel („Attraktivität ist keine Schande“ <3, Facebook, Blog) zustande und ich konnte aus erster Hand erfahren, was es heißt damit zu leben. Dadurch erweiterte sich der Kreis derer, die einem als Beispiel dienen können und Adiposa e.V. lieferte wertvolle Infos aus dem Leben derer, die die OP bereits haben. Lokal habe ich einen Freund, der die Operation im selben Klinikum durchgemacht hat und mir ebenfalls eine wertvolle Hilfe ist.

Den Gedanken, an einer Selbsthilfegruppe hier in der Region nach der Operation teilzunehmen sollte ich vielleicht auch langfristig im Kopf behalten, damit man auch neutrale Personen hat, mit denen man sich austauschen kann. Gibt ja regelmäßig Treffen im Klinikum. Lustiger Fakt: Alle adipösen Patienten dürfen sich im 6. OG treffen. 😉 Möge der Fahrstuhl niemals ausfallen zu den Treffen.

Nachdenklicher Moment

Während ich diese Zeilen geschrieben habe, kam es mal wieder zu einem Moment im Leben, wo man sich denkt, warum nur?! Wie kann eine einzige SMS einen nur dermaßen aus der Spur werfen? Ich werde es wohl nie verstehen. Dazu äußere ich mich noch in diesem Text. Jeder kriegt sein Fett weg, auch ich. 😉

Mir ist bewusst, dass ich mit einem Ausgangsgewicht von 230 kg ein riesiges Risiko eingehe mit dieser Operation, doch das aktuelle Leben ist kein Stück besser. Neben den Nebenwirkungen einer Anästhesie und grundsätzlich den Risiken der Operation kann ich auch auf Grund der körperlichen Belastung jeden Moment umkippen. Was passiert, wenn der Anästhesist mit seinem Gewehr falsch zielt und mich nicht richtig trifft, was wird man mitbekommen, wie groß sind die Schmerzen, … so viele Fragen, die bald ein Ende, sowie eine Antwort finden. Ich gehe dieses Risiko gerne ein, denn ich werde dadurch ein besseres Leben führen können und meine Gesundheit verbessern. Die Einschränkungen, die dieses Gewicht mit sich bringt, sind immens und das Thema möchte ich später genauer aufgreifen, wenn ich eine Besserung merke und Vergleichswerte habe.

Den Fehler bei anderen Menschen zu suchen ist die falsche Rangehensweise, denn jeder ist seines eigens Glückes Schmied. Dieser Satz verfolgt mich seit meiner Ausbildung und er ist so wahr. Danke nochmal CE für die Lehre des Lebens. Ich alleine bin für mein Handeln verantwortlich, wie sich alles entwickelt hat und möchte einfach zeigen, dass man es schaffen kann, ganz egal wie viele Schläge man eingesteckt hat und durch was für Schwierigkeiten man durchkommen kann.

Dieser Weg ist keine Lösung für alle, er soll lediglich Möglichkeiten aufzeigen.

Kollegen, Familie, Freunde und anderes Getier

Wahre Freundschaft ist wenn man sich ewig nicht gesehen hat, aber es sofort wieder so ist wie es früher war.

Meiner Meinung nach bin ich ein sehr umgänglicher Mensch, der fair zu jedem ist und jeden Menschen so nimmt, wie er ist. Mir ist es dabei vollkommen egal, ob ich mich mit Männlein, Weiblein oder unentschlossenen Gendern unterhalte, denn für mich sind alle Menschen gleich. Auch wenn ich oft zurückhaltend lebte und viele soziale Kontakte abgelehnt habe, um mich selber zu schützen, gab es immer wieder Menschen in meinem Leben, die voll und ganz hinter mir und meinem Vorhaben gestanden haben.

Einigen habe ich den letzten Nerv geraubt, mit anderen hatte ich kaum Kontakt. Es gab in jedem Zweig zwar hin und wieder Kontakte, doch man ging sich mehr oder weniger aus dem Weg. So fühlte es sich für mich an, was ich teilweise nachvollziehen kann, da ich ja sowieso absagen würde, wenn es um Unternehmungen geht. Nichts desto trotz glühte der freundschaftliche Funke immer wieder auf und man konnte sich auf alle verlassen, denn mir wurde ohne wenn und aber geholfen, wenn ich um Hilfe bat. Ganz wie früher, als ich meinen Urlaub mit Möbeln machte und es als Antwort keine Frage, sondern eine einfache Zusage der Hilfe gab.

Mir ist bewusst, dass jeder sein eigenes Leben hat und der Freundeskreis in ein vorangeschrittenes Alter vorgedrungen ist, wo es um die Familienplanung und weitere Zukunft geht. Da hat man nicht immer Platz.

Was mich dennoch freut ist, gerade zum Ende hin, wurden die Nachfragen mehr und es entwickelte sich wirklich das Gefühl, dass jemand hinter einem steht und man doch nicht ganz alleine ist.

Leider kann man dies nicht von allen sagen und ich weiß nicht, ob die Probleme in der Familie an der Vergangenheit liegen oder aber man hat von beiden Seiten eine falsche Erwartungshaltung. Ich für meinen Teil möchte mich niemanden mehr aufdrängen und wenn Interesse besteht an meinem Leben teilzuhaben, erwarte ich eine gegenseitige Kommunikation. Andere Familien scheinen wichtiger zu sein als die eigene …

Mein Weg begann dort, wo ich aufhörte anderen zu folgen!

Danksagung

Mein Dank gilt euch allen! Ganz egal ob Kooperationspartner, Motivatoren oder all jene, die an mich glauben und für mich da sind, die mir Liebe geben, Rückhalt und vor allem Verständnis.

Danke für alles, ich werde euch ein guter Freund sein. Und nur weil ich mich optisch verändern werde, bleibt der Kern erhalten!

<3 D.LIeBSte.M.KB.HP.M.A.S.A.R.L.R.B.T.K.S. und der Rest!

Ohne einige von euch, wüsste ich nicht, wo ich jetzt stehen würde.

Über den Autor:

Mahlzeit, ich bin Christian, wurde im Orwell Jahr 1984 geboren und bin Initiator von aktion100, sowie das "Dokumentationsobjekt", um das es auf dieser Seite geht. Ich nehme euch mit auf meiner Reise vom 232 kg morbide adipösen Mann im Kampf um Normalgewicht. Mir ist ein offener und ehrlicher Umgang auf diesem Weg sehr wichtig und ich mag anderen eine Hilfe sein.

5 Kommentare

  1. Püppi 8. Oktober 2014 um 11:37 Uhr - Antworten

    Ich denke an dich <3

  2. andre 8. Oktober 2014 um 13:08 Uhr - Antworten

    Du bist und bleibst einfach der beste.Egal was War egal was ist, du warst immer für einen da und hast versucht einen zu unterstützen.
    Ich bin froh dich zu kennen und stolz dich meinen Bruder nennen zu dürfen

  3. Annika 8. Oktober 2014 um 16:23 Uhr - Antworten

    chacka wir sind bei dir

  4. Astrid 9. Oktober 2014 um 11:52 Uhr - Antworten

    Respekt Für Deine Offenheit, Großer :o)
    Ich wünsche Dir eine erfolgreiche und liebevolle Zusammenarbeit mit Günther!

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