DerVogt 3.0 – Ein neues Leben beginnt

Vor einer Woche bekam ich also meine lang erwartete Operation und der Schlauchmagen „Günther“ hielt Einzug in mein Leben. Es wird langsam Zeit die vergangenen Tage Revue passieren zu lassen.

Vorbereitungsphase zur OP

Von der Klinik war eine dreiwöchige Eiweißphase vorgeschlagen, die sehr schwierig werden kann, wenn man ein gewisses Essniveau erreicht hat.

Es wird einem sehr leicht gemacht, denn man hat immer und überall Essen zur Verfügung und in einer Stadt gibt es zahlreiche Lieferdienste, die einem ohne viel Arbeit mit Nahrung versorgen.

Die Eiweißphase habe ich nicht optimal genutzt, dessen bin ich mir sehr wohl bewusst, doch ich habe das Beste draus gemacht und die Lebensmittelzufuhr reduziert.

Mein letztes Abendmahl als morbide adiposer Mensch gab es von Joeys

Letztes Abendmahl.

So habe ich kleine Mahlzeiten zu den Eiweißshakes gegessen und zwei Tage vor der Operation gab es dann das letzte Mal geliefertes Essen. Ich habe mich für die Konkurrenz Joeys entschieden und bestellte mir einen Salat Nizza & Spaghetti Verdura. Etwas was die bei Joeys sehr gut hinbekommen, muss man mal anmerken. 😉

Einen Tag vor der OP blieb ich ohne Essen und habe nur noch getrunken.

Eigentlich hätte ich ab diesem Tag besondere Unterstützung von einer Prinzessin bekommen sollen, doch leider musste sie selber ins Krankenhaus und die Situation wurde angespannt und schwierig, da beide nicht für den anderen da sein konnte. Sie konnte mir noch Knut zukommen lassen und mein Knoppfisch für sie kam zu spät an. :-/

Operationstag

Auf eine sehr kurze Nacht folgte ein überstrukturiertes Aufstehen um 5 uhr. Duschen, Tasche nochmal prüfen und fertig machen, für 6.10 Uhr war das Taxi bestellt. Bisher gab es keinerlei Nervosität, die blieb auch die Tage und Wochen zuvor weg. Zwar machte ich mir sehr viele Gedanken, was passieren könnte, aber es war keine Nervosität zu spüren.

Im Herzogin Elisabeth Hospital (HEH) angekommen ging es dann alles sehr schnell, die OP war für 8.20 Uhr angesetzt. Auf der Station angekommen, wurde ich in mein Zimmer begleitet, wo ich Christian wiedergesehen habe, den ich bei meiner Vorstationären Aufnahme bereits gesehen habe. Er hatte einen Tag zuvor den Magenbypass bekommen und wirkte sehr fit dafür, dass er erst eine Operation hinter sich hatte. Dies machte mir Mut, denn jetzt kam die Nervosität auf.

Die Schwester hatte mir dann das geile OP-Kleidchen gebracht und bereitete alles vor, so dass es dann pünktlich los ging in Richtung OP-Saal. Doch leider fingen dort schon die Probleme an, denn die Bremse des Betts ließ sich nicht lösen und an meinem Bett war eine seitliche Erweiterung vom Zoo Hannover für große Tiere angebracht, die nicht sofort durch die Tür passte. Und das bei Krankenhaustüren! 😉 Bis zum OP-Saal wurde ich dann in einem Bett mit einem schleifenden Bremsrad gerollt und durch die OP-Tür passte das Bett auch nicht, so dass die Schwestern ihr Tun hatten, um mich endlich in den Vorraum zu bringen. Dort angekommen gab es dann die OP-Haube (auch ein sehr hübsches Detail an einem) und die Frage, wie man denn auf den OP-Tisch/Hocker kommt, denn das Bett hat nämlich alles zugestellt. Kurz einen Hocker aufgestellt, aus dem Bett heraus auf den OP-Tisch/Hocker und ab ging die Reise. Man kommt sich vor, wie in einem Horrofilm, wenn man festgeschnallt wird und weiß, dass man ab nun den Metzgern Doktoren ausgeliefert ist.

Im OP-Saal war es arschkalt und wie man es kennt steril und voller Menschen in grün. Auf beiden Armen wurde ich dann nach einem optimalen Zugang für die Drogeninjektion gepiekst und schon ging die Reise los. Die Anähstesistin wünschte mir schöne Träume, es gab die Maske ins Gesicht und ich fing an zu fliegen. Huiiiiiiiiiii … Pink fluffy unicorns <3 https://www.youtube.com/watch?v=Sm368W0OsHo

*zzzzZZZzzzzZZzzzz*

Nach gefühlt einer Minute wurde ich dann im Aufwachraum in meinem Bett wach und war die ganze Zeit am überlegen, wie ich da überhaupt hingekommen bin. Ich fühlte mich wohl und wurde dann für eine Nacht in einen Überwachsungsraum gebracht, in diesem ich dann alleine war und sogar alleine auf die Toilette gehen durfte. Ich war immer mehr überrascht, wie gut alles geklappt hat bisher und überlegte, wo der Haken ist.

Regenerationstage

Von Donnerstag an hieß es dann, dass ich auf der normalen Station liegen würde. Essen gibt es keins außer leckere Infusionen mit Currywurst Geschmack und Tee sowie stilles Wasser. Das Gefühl essen zu wollen gab es plötzlich nicht mehr und es war sehr irritierend, da man sonst schon die zweite Mahlzeit geplant hat, während die erste auf dem Tisch stand.

Krankenhausalltag kann recht öde werden und es gibt immer wieder parallelen zum Werner Film. Ich bin übrigens total traurig gewesen, dass ich am Freitag mein schickes OP-Kleidchen abgeben musste. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie geil es ist, etwas zu haben was problemlos passt. 😀

Dennoch war es dank des Zimmernachbarn nicht langweilig, der Besuch kam und ging auch wieder und man konnte sich dank gratis TV und Internet auch relativ gut ablenken, so dass die Zeit schnell vorbei ging. Am Samstag wurde mein Zimmernachbar dann entlassen und ich durfte die letzte Nacht alleine bleiben, um zu hoffen, dass ich am Sonntag nach Hause kann. Samstag gab es dann auch die erste „Nahrung“ für mich, denn ich durfte dreimal Brühe haben und war begeistert, wie geil es sein kann, etwas salziges zu schmecken. Ein sozusagen durchschlagender Erfolg das Ganze o/.

Heimkehr

Geiler Kirchjoghurt

Geiler Kirchjoghurt

Sonntag früh hieß es nach der Visite, dass ich nach Hause gehen darf. Ich habe mich noch einmal gewogen im Krankenhaus und es waren bereits 8 Kilo verloren. Es ging also am frühen morgen nach Hause und dort fing dann wieder der Alltag an. Die Katzen haben sich zwar vor mir versteckt und waren wohl irritiert, wer ich bin, dennoch kamen sie irgendwann zum kuscheln wieder raus. Also erstmal mit den Katzen aufs Sofa und die PlayStation an und ein bisschen gespielt um festzustellen, dass ich zu alt dafür werde, denn ich wurde mal wieder übelst in FIFA 15 abgezogen. Alles Cheater, die besser sind als ich! 😀 Nichts hat sich daran geändert also. 😉 Weil ich so einen Bock drauf hatte, habe ich mir verbotenerweise einen kleinen Kirschjoghurt besorgen lassen und war total begeistert, als ich am Abend dann nach 1/4 Becher satt war und absolut kein Hungergefühl mehr verspürte. Beim Trinken stelle ich mich noch etwas doof an, da ich kaum Wasser getrunken habe und früher gab es keinerlei Probleme 2,5-4 Liter Softdrink wegzuknallen. Diese Zeiten sind nun vorbei, denn erstmal ist eh keine Kohlensäure erlaubt und zweitens heißt es wegzukommen vom Zucker. Hätte ich früher mal auf meinen Vater gehört, der es schon immer verurteilt hat.

Die ersten Tage zu Hause

Es schallt mir noch in den Ohren, dass man sich zum Essen anfangs zwingen muss und dem war so. Wenn man absolut kein Hungergefühl verspürt und essen muss, will man es nicht. Man tut es trotzdem, da man ja wenigstens in der Nachsorge den Vorgaben des Krankenhaus folge leisten möchte.

Ich bin also nun dabei mein neues Leben zu realisieren, organisieren und vor allem neu zu strukturieren. Vieles ändert sich durch den Eingriff und es gilt daran zu arbeiten, damit man die durch die Operation entstandene Hilfe voll und ganz ausschöpfen kann und es keinen Rückschritt gibt. Mir ist bewusst, dass es eine große Verantwortung ist, nun alles richtig zu machen, denn die letzten 30 Jahre wurde viel falsch gemacht. Nun habe ich die Chance bekommen, dass ich mich ändern kann und die äußere Schale ablegen darf. Der Kern wird hoffentlich immer der selbe bleiben.

„Entweder wir finden einen Weg, oder wir machen einen.“ – Hannibal

Es ist erstaunlich, dass man sich so wohl fühlen kann nach einer Operation. Ich habe damit in keinster Weise gerechnet und habe mir sonst etwas für Gedanken gemacht. Aber ich kann alles machen und merke keinerlei Einschränkungen. Schwer heben werde ich dennoch erstmal nicht, da es schon schwer genug ist, den Körper aktiv zu halten und ich nicht will, dass irgendeine Naht aufgeht. Man weiß ja nie, wie doof man sich verletzen kann.

Für mich war es bis jetzt die beste Entscheidung meines Lebens bezüglich der Gewichtsreduktion, auch wenn durch die vielen Versuche mir Blut abzunehmen oder Zugänge für Infusionen zu finden meine Arme aussehen, wie beim Frankfurter Frühstück.

Was die Zukunft mit sich bringt, wird sich zeigen, doch ich bin voller Hoffnung und Motivation mein Leben gänzlich zu ändern. Mein betreuender Hausarzt ist erfreut über die wunderbare Wundheilung und wird sich für mich einsetzen und unterstützen. Es ist schön, einen Arzt zu finden, der sich auch mal fünf Minuten länger Zeit nimmt und in neue Themen einliest.

Vor kurzem Stand ich noch am Abgrund und nun bewege ich mich täglich einen Schritt davon weg in die neue Zukunft.

Danksagung

Bedanken möchte ich bei Dr. Hinrich Köhler meinem Chirurgen und seinem Team; den Schwestern von Station 2; Daniela die mir viel Mut gemacht und Ängste genommen hat und hinter mir steht; meinen Freunden, der Familie und anderem Getier; Lars und Steffi die mir im letzten Jahr viel Informationen zukommen lassen haben, und für Fragen zur Verfügung standen, damit ich den Weg gehen kann; allen Motivatoren und Kooperationspartnern die alle einen Teil an meinem Weg tragen und zu guter letzt euch, den Abonnenten, die sich die Zeit nehmen meine Texte zu lesen, der Seite folgen und interagieren.

Es ist toll zu leben und zu wissen, nun wird alles gut!

„Wir können nicht zaubern und Ihnen Normalgewicht bis zum Lebensende nach einem adipositaschirurgischen Eingriff versprechen. Wir helfen Ihnen über ein bis zwei Jahre stark an Gewicht zu verlieren. Wichtig ist Ihre konsequente Mitarbeit, die Gewichtsreduktion durch Umsetzung der Ernährungsempfehlungen und regelmäßige körperliche Aktivität zu optimieren – und durch beibehalten dieses neuen Lebensstils das reduzierte Gewicht auch langfristig zu halten.“ – Dr. Hinrich Köhler Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie, Rettungsmedizin, Proktologie; Schwerpunkt: Adipositaschirurgie | Quelle: heh-bs.de

Von |2017-08-27T06:20:00+00:0016. Oktober 2014|Tags: , |

Über den Autor:

Mahlzeit, ich bin Christian, wurde im Orwell Jahr 1984 geboren und bin Initiator von aktion100, sowie das "Dokumentationsobjekt", um das es auf dieser Seite geht. Ich nehme euch mit auf meiner Reise vom 232 kg morbide adipösen Mann im Kampf um Normalgewicht. Mir ist ein offener und ehrlicher Umgang auf diesem Weg sehr wichtig und ich mag anderen eine Hilfe sein.

8 Kommentare

  1. Benjamin Hotop 16. Oktober 2014 um 8:58 Uhr

    Wie interessant das alles sein kann! ^^ Da ist mir beim Lesen fast der Kaffee ausgekühlt! Ich drücke auf jeden Fall die Daumen! Auf dass weiter alles so prima funktioniert! 🙂

    • Christian 17. Oktober 2014 um 0:20 Uhr

      Du sollst in Deinem Alter doch kein Kaffee mehr trinken. 🙂

  2. Bauer 16. Oktober 2014 um 20:02 Uhr

    Hallo Christian … wir haben uns ewig nicht gesehen und gesprochen … aber deine Geschichte musste ich trozdem lesen und muss echt meinen Hut vor dir ziehen … und hoffe ebenso das alles weiterhin so gut läuft … das gefühl nix essen zu wollen möchte ich auch haben 🙂 ich drück dir auf alle fälle die Daumen für deine Zukunft … lg ( Bauer )

    • Christian 17. Oktober 2014 um 0:22 Uhr

      Ja da hast Du leider recht. Ist schade, wie das nach der Schulzeit alles auseinander geht. Aber vielleicht gibt es ja mal ein Treffen mit den ganzen von der Lessing. Wäre ja mal lustig. Dich habe ich übrigens beim arbeiten schon gesehen 😉 Du brauchst auch keinen unterdrückten Hunger in Deinem Job hast doch genug zu tun körperlich.

  3. Püppi 18. Oktober 2014 um 11:20 Uhr

    „Zusammen ist man weniger allein.“
    Wir schaffen das. Ich liebe dich <3

    • Christian 18. Oktober 2014 um 13:36 Uhr

      Wäre ich gläubig sein, würde ich sagen, Dein Wort in Gottes Ohr. Ich hoffe nur, dass Du auch recht hast, denn ich liebe Dich.

  4. Die Steffi 18. Oktober 2014 um 13:00 Uhr

    Dafür nicht. Wenn der MC nach Hilfe fragt, dann helfe ich doch. 😉

    • Christian 18. Oktober 2014 um 14:17 Uhr

      Ja der MC. 🙂 Mr Nice Guy

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